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Ein Waldidyller setzt auf Wärmepumpen und hofft auf viele Nachahmer
Von Maik Brückner
Die steigenden Kosten für Flüssiggas haben Wolfgang Michael zum Nachdenken über Alternativen angeregt. Vier Jahre beschäftigte er sich mit verschiedenen Anlagen. Nun ist er zum Entschluss gekommen, dass eine Wärmepumpen-Anlage eine preiswerte und ökologisch sinnvolle Alternative ist.
Wolfgang Michael fühlt sich pudelwohl in Waldidylle. Seit acht Jahren wohnt der gebürtige Dresdener in dieser von vielen Bäumen umgebenen, großzügig angelegten Siedlung. Gern geht er hier spazieren. Bei einem seiner letzten Rundgänge fiel ihm auf, wie viele Flüssiggasbehälter in den Gärten stehen. „Das ist sehr unschön“, sagt er. Und dieser Anblick erfreut sicher auch nicht Urlauber, die sich hier erholen wollen.
Er selbst hat auch so einen Tank im Vorgarten. Ende August wird er ihn wohl nicht mehr benötigen, da er gerade dem Flüssiggas ade sagt. Dafür führt er aber nicht ästhetische, sondern finanzielle Gründe ins Feld. „In den letzten Jahren hat sich der Preis fürs Gas verdoppelt“, erzählt der Waldidyller. „Und die Preise werden weiter steigen“, ist er sich sicher.
Diese Entwicklung hat der Rentner und bekennende Naturfreund mit Sorge verfolgt. Vor vier Jahren entschloss er sich zum Handeln, schließlich steigen seine Einnahmen als Rentner auch nicht mehr. Wolfgang Michael abonnierte sich eine Fachzeitschrift und besuchte Fachmessen in Dresden. Aufmerksam studierte der heute 71-Jährige, welche Alternativen es zu den herkömmlichen Energieträgern gibt. Und so kam er auf die Wärmepumpen (siehe Kasten). Ihn überzeugte nicht nur die preisgünstige Art, Energie herzustellen, sondern auch der niedrige Reparatur- und Wartungsaufwand und die sehr hohe Lebenserwartung solcher Anlagen.
Von der Bank gibt es
einen günstigen Kredit
Wolfgang Michael versuchte, auch andere Waldidyller für diese Form der Energiegewinnung zu erwärmen. „Mit zehn, zwölf Leuten habe ich gesprochen“, erinnert er sich. Drei Familien zeigten sich anfangs interessiert, doch am Ende blieb nur noch er und ein Nachbar übrig. Die hohen Investitionskosten schrecken viele offenbar ab.
Rund 15 000 Euro wird Wolfgang Michael für seine 15-kW-Anlage investieren. Fördermittel bekommt er keine, sieht man mal von dem Zuschuss der Esag ab. Pro Kilowatt erhält er vom Energieversorger 50 Euro. Außerdem gewährt ihm eine Bank einen günstigen Kredit.
Trotz dieser hohen Anfangskosten rechnet sich die Anlage für den Diplom-Ingenieur. „In spätestens zehn Jahren – bei einem Hausneubau noch eher – hat man die Kosten wieder rein“, weiß auch Ralf Bahr, Heizungsbaumeister der Firma Büttner aus Schlottwitz, die sich mit dem Trend neue Geschäftsfelder erschließt. Abgesehen davon, spart man den Bau eines Schornsteines und braucht deshalb auch nicht mehr den Schornsteinfeger kommen zu lassen, ergänzt Bahr, der sich in der vergangenen Woche vom ersten sichtbaren Schritt zur Errichtung einer Wärmepumpen-Anlage überzeugte.
Mitarbeiter einer Hohensteiner Firma bohrten zwei 70 Meter tiefe Löcher in das Grundstück von Wolfgang Michael. In diese werden jeweils vier 32 Millimeter dicke Rohre eingelegt, von denen zwei später einmal die Erdwärme nach oben bringen sollen, erklärt Ralf Bahr.
Ende August soll die Anlage von Wolfgang Michael fertig sein, und der Waldidyller kann dann ökologisch heizen und Warmwasser erzeugen. Er ist fest davon überzeugt, dass er Kosten spart und dabei trotzdem seine Lebensqualität nicht einschränken muss. „Wir wollen ein warmes Haus haben“, bekräftigt der Waldidyller. Auch an Tagen, wenn alle Räume beheizt werden müssen. Zum Beispiel wenn seine vier Kinder mit seinen vielen Enkelkindern zu Opa und Oma anreisen. Sollte die Anlage dann halten, was sie verspricht, werden vielleicht noch andere Waldidyller umrüsten. So würden sicher mehr Tanks aus dem Vorgärten verschwinden und Waldidylle noch etwas hübscher werden. Sehr zur Freude von Naturfreund Wolfgang Michael.
Wer sich die Anlage von Wolfgang Michael mal anschauen will, kann sich bei ihm melden; 035052/ 6 78 77.
Sächsische Zeitung, Mittwoch, 28. Juli 2004
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