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"Wenn
einer Blumen verdient hat, dann der Schmieder, Gerhard", davon ist
Gabriele Lehnert überzeugt. "Ja, der Gerhard ist Spitze," bestätigt
ihr Mann Wolfgang. "Als er noch seinen Laden hatte, machte er alles
möglich und witzig war er obendrein. Er hat mich sogar mal mit seinem
Auto vom Flughafen in Dresden ab- geholt. Ein Anruf genügt und Schmieder
war zur Stelle." In diese Lobeshymne kann Kristina Kaden, die Leiterin
des Kinderheimes in Waldidylle, einstimmen. "Gerhard Schmieder hat
unsere Kinder immer gerne gehabt. Wenn sie mit einer Mark loszogen,
kamen sie mit Sachen für vielleicht fünf Mark wieder zurück." Denn
der Griff in die Bonbongläser auf der Theke war ihnen stets erlaubt.
Aber nicht nur Gerhard Schmieders vergangene Taten werden in Waldidylle
besungen. Noch heute sorgt er für Er staunen und Freude. Margarete
Eisner zum Beispiel ist begeistert, dass ihre Tageszeitung immer
sehr pünktlich da ist. Die trägt der Schmieder nämlich immer noch
aus. Und sie ist früh um 5 im Kasten. Dafür kriecht er noch vor
dem ersten Hahnenschrei aus den Federn.
"Das frühe Aufstehen, bin ich gewöhnt", erzählt der ehemalige Ladenbesitzer,
"früher kam um drei immer der Bäcker aus Bärenhecke mit Brot und
Kuchen, da musste ich ja schließlich auch raus. Und Zeitungen und
Briefe trage ich auch schon seit 48 Jahren aus." Doch noch einen
Winter möchte er nicht wieder raus. "Ich bin jetzt 70 Jahre, das
muss nicht mehr sein. Aber im Sommer, da gerne." Und noch mehr tut
Gerhard Schmieder für seine Waldidyller Zeitungsleser. Für die Urlauber
unter ihnen hebt er sie auf und stapelt sie bei sich zu Hause.
Quelle: Sächische Zeitung, Lokalausgabe Dippoldiswalde,
9. Juli 2002
siehe auch: "Abschied vom Kaufmannsladen"
Im
Februar 2004 ist Gerhard Schmieder verstorben. Seine Frau Edith hat das Haus mit dem Laden verkauft und ist nach Altenberg verzogen. Die neuen Eigentümer wollen ein Goldschmiede-Atelier einrichten und die alte Ladeneinrichtung aufarbeiten. Für die historische Wäschemangel wird noch eine Lösung gesucht - sie muss wahrscheinlich einer modernen Heizung weichen. (A.Warschau)
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