Montag, 20. Januar 2003
(Sächsische Zeitung)
Waldidylle. Im Altenberger Ortsteil Waldidylle soll möglichst noch in diesem Jahr ein Trennsystem für die Abwasserentsorgung gebaut werden. Obwohl das Projekt in Waldidylle nicht nur Zustimmung findet, gab der Ausschuss für Umwelt und Technik des Stadtrates dieser Variante doch den Vorzug.
„Wir müssen unbedingt etwas tun, weil die bestehende Kläranlage im Grunde überhaupt nicht mehr funktionsfähig ist“, sagt Bürgermeister Thomas Kirsten. Viele Wald idyller leiten auch ihr Regenwasser mit in den Kanal ein. Diese Mengen werden zur Kläranlage nach Hirschsprung gepumpt und bringen dieses Werk schnell an seine Grenzen. Auch der Kanal selbst müsste erneuert werden.
Nun gab es die Möglichkeit, den Sammler neu zu bauen und das Regenwasser dort auszubinden. Wo fließt das dann aber hin? Über die Straße? Zum Nachbarn? Können alle dieses Regenwasser ordentlich versickern lassen? Daran hat der Ausschuss Zweifel. Er rechnet sogar damit, noch eine Straßenentwässerung bauen zu müssen, erläutert Kirsten, und die Anlieger müssten sich dann vielleicht sogar an den Kosten beteiligen.
Deshalb entschied sich der Ausschuss für ein Trennsystem. Dabei soll der bestehende Kanal ertüchtigt werden und das Regenwasser aufnehmen, das dann in die Biela geleitet wird. Gleichzeitig entsteht ein neuer Kanal nur für Schmutzwasser. „Diese Variante ist zwar teurer, doch wir vermeiden Folgekosten“, erklärt Kirsten. Trotzdem würde der Abwasserzweckverband Oberes Müglitztal, dem Altenberg angehört, ohne Gebührenerhöhung auskommen. (SZ/ks)
Samstag, 1. Februar 2003
(Sächsische Zeitung)
Wem nützt der Kanal?
Anja Krupop aus Altenberg äußert sich zum Artikel „Trennsystem in Waldidylle“, Seite 15 vom 24. Januar:
Die Selbstherrlichkeit, Selbstbedienungsmentalität und Unverfrorenheit von Abwasserzweckverbänden (AZV) ist scheinbar kaum zu überbieten. Seit Beitritt zum AZV „Oberes Müglitztal“ bezahlen die Einwohner Waldidylles die dreifache Gebühr, obwohl alles Abwasser weiterhin nahezu ungeklärt im Walde versickert. Nun will der AZV einen Regenwasserkanal bauen. Er behauptet, das geschähe im Einvernehmen mit den Bürgern. Vergangenes Jahr gab es zu diesem Thema in Waldidylle eine Versammlung mit heftigem Widerstand vieler Bürger, wobei der Bürgermeister Altenbergs das Vorhaben unterstützte. Er versuchte, die Einwohner zu überzeugen mit dem Argument, es entstünden ihnen keine Kosten, weil nur Fördermittel verwendet würden.
Eine Abstimmung fand nicht statt, es gab gewiss kein Einvernehmen. Vor allem konnte überhaupt nicht erklärt werden, wieso in einem Ort, der mitten im Wald liegt und dessen Grundstücke oft mehr als tausend Quadratmeter groß und mit Wiese und Waldbäumen bewachsen sind, Regenwasser nicht natürlich versickern kann. Angeblich seien die geologischen Gegebenheiten ungünstig.
Gibt es so etwas? Dass Waldboden und Naturflächen ungünstige Gegebenheiten aufweisen, um Regenwasser aufzunehmen? Will man uns für dumm verkaufen? Einen Schildbürgerstreich spielen? Wer genehmigt so etwas? Wer verschleudert Millionen an Fördermitteln, die ja Steuergelder sind, für einen Regenwasserkanal im Wald? Springen dabei Vorteile für jemand heraus?