| Derzeit ist das Café Zugspitze das einzige Lokal,
das in Waldidylle noch übrig geblieben ist.
Ein
Umarmen und Hallo geht los, wenn die Stammgäste kommen. Es
sind doch immer die gleichen, die zu uns finden, meint Margitta
Vogler, Wirtin im Cafe Zugspitze. Wo sollen sie sonst
auch hin, weit und breit ist die Zugspitze das einzige
Lokal in Waldidylle.
Wir beenden unseren Spaziergang immer hier. Seit zehn Jahren
kommen wir. Auch wenn wir jetzt nicht mehr in Waldidylle wohnen,
wir müssen doch unserem Seppel die Treue halten, meint
Wolfgang Lehnert und zwinkert dem Wirt zu. Doch ist das Café
für ihn und seine Frau Gabriele nicht nur Ausspanne nach einem
Fußmarsch. Hier wird auch über alte Zeiten geplaudert
und wie das einst war, als sie mitgeholfen haben beim Betonmischen
und wie die Kabel gezogen wurden für die große gemeinschaftliche
Fernsehantenne. Das war 1985. Ha, wisst ihr noch, erzählt
Wirt Hans-Jörg Vogler, da haben wir einen unserer Rentner in
den Westen geschickt, um die Teile zu besorgen und der Hans Werner
hat´s dann aufgebaut.
Hier wird Nachbarschaftshilfe groß geschrieben. Das
war schon immer so, bestätigt der Wirt, auch früher,
wenn ich mal schnell weg musste, war immer jemand aus dem Ort da
und hat mich für eine Stunde vertreten.
Vom Fernblick zur Zugspitze
Hans-Jörg Vogler hat 1975 das Café vom Vater übernommen,
der wiederum hat es von seinem. Ein Familienbetrieb ist es von Anfang
an. Und seit 70 Jahren gibt es die Zugspitze nun schon.
Das Jubiläum wurde gefeiert. Der Großvater gab dem Café
einst den Namen: Fernblick. Doch die ersten Gäste hier
nannten es Zugspitze, weil es hier immer so zieht, weiß
Hans-Jörg Vogler noch aus alten Schriftstücken.
Heute gibt es keine Warteschlangen mehr
Wirtspaar Vogler betreibt das kleine Café mit den noch übriggebliebenen
drei Gästezimmer allein. Ursprünglich gab es zehn Zimmer
in der Zugspitze. Aber nach der Wende haben wir
den Betrieb reduziert. Die Gäste blieben aus. Standen zu DDR-Zeiten
die Besucher teilweise wartend vor der Tür, weil alle Tische
belegt waren, schauen jetzt nur noch ab und zu einige Wanderer herein
oder Kurzzeiturlauber. Die große Zeit der FDGB- Urlauber ist
vorbei. Obwohl, so ergänzt der Wirt, goldene Zeiten
waren das damals auch nicht. Zwar hatten wir genug Gäste, aber
es war schwer, Waren zu bekommen. Da bin ich mit meinem Wunschzettel
immer nach Dippoldiswalde zur Großhandelsgesellschaft gefahren.
Die haben dann Striche gezogen: Das gibt´s nicht und jenes
nicht. Naja, ich habe mir zu helfen gewusst, bin die Obstaufkaufstellen
abgefahren bis nach Coswig. Da servierte ich eben eine Zeit lang
, immer Erdbeeren mit Sahne. So war´s.
Heute hält sich Hans-Jörg Vogler mit ein paar Stammgästen,
Zufallskunden, Klassentreffen und Geburtstagsfeiern über Wasser.
Leicht ist das nicht immer.
Etwas Sorgen bereitet dem Wirt die Zukunft seines Cafés.
Wer die Zugspitze mal übernehmen wird, ist ungewiss.
In Familienhand bleibt sie nicht, das weiß er
schon jetzt. Doch wischt er vorerst die Gedanken daran weg. Bis
dahin müssen wir noch ein bisschen krabbeln meint er
mal sehen, was wird.
Quelle: Säschische Zeitung, Lokalausgabe Dippoldiswalde,
9. Juli 2002
Kaffeduft in 70 Metern Höhe
Bilder aus der Anfangszeit der Zugspitze (30er Jahre) stellte
uns freundlicherweise Herr Gerd Göhler zur Verfügung.
Schauen Sie doch mal kurz in die Vergangenheit...
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